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Fragen zur Rentenbesteuerung

Müssen alle Rentnerinnen und Rentner eine Steuererklärung abgeben?

Ob man als Empfänger einer Rente eine Einkommensteuererklärung abgeben muss, ist von mehreren Faktoren abhängig und ist im Einzelfall zu prüfen. 

Im Regelfall liegt eine Verpflichtung zur Abgabe eine Einkommensteuererklärung bereits dann vor, wenn neben dem Bezug der Rente noch weitere Einkünfte, wie beispielsweise aus der Verpachtung eines Grundstücks, erzielt werden.
Für den Fall, dass keine weiteren Einkünfte erzielt werden, ist eine alleinstehende Person nur dann zur Abgabe einer Einkommensteuerklärung verpflichtet, sofern der steuerpflichtige Anteil der Rente abzüglich der Werbungskosten den Grundfreibetrag übersteigt. Für das Jahr 2020 sind dies 9.408 €. Für Ehegatten beträgt der Freibetrag 18.816 Euro.

Sollten die gemeinsamen Renteneinkünfte unter diesem Betrag liegen, liegt keine Verpflichtung zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung vor. Aufgrund der jährlichen Anhebung des Grundfreibetrags erhöhen sich diese Beträge fortwährend.

Anhebung des Grundfreibetrags

Jahr

Grundfrei­betrag

Grundfrei­betrag bei Ehegatten

2013

8.130 €

16.260 €

2014

8.354 €

16.708 €

2015

8.472 €

16.944 €

2016

8.652 €

17.304 €

2017

8.820 €

17.640 €

2018

9.000 €

18.000 €

2019

9.168 €

18.336 €

2020

9.408 €

18.816 €

Darüber hinaus sind Bürgerinnen und Bürger zur Abgabe einer Einkommen­steuererklärung verpflichtet, wenn das Finanzamt sie hierzu auffordert.

Unsicher, ob Steuern gezahlt werden müssen?

Im Zweifel wenden Sie  sich an Ihr zuständiges Finanzamt, das Ihnen mit Auskünften weiterhilft. Bei einer umfänglichen Beratung wenden Sie sich bitte an den Steuerberater oder den  Lohnsteuerhilfeverein. Den Finanzämtern ist es ausdrücklich verboten, steuerberatend tätig zu sein. Dies ist gesetzlich den steuerberatenden Berufen vorbehalten.

Thüringer Finanzämter

Wie werden Renten besteuert?

Die Rentenbesteuerung wurde ab dem Jahr 2005 reformiert. Seitdem erhöht sich der Besteuerungsanteil der Rente jährlich. Maßgebend für die Höhe dieses Besteuerungsanteils ist dabei ausschließlich der Beginn der Rentenzahlung. Liegt der Rentenbeginn vor dem Jahr 2006, beträgt der Besteuerungsanteil 50 %. 
Für jedes spätere Jahr des Renteneintritts erhöht sich der Besteuerungsanteil um 2 % bis zum Jahr 2021. Ab dem Jahr 2021 erhöht sich dieser nur noch um 1 % jährlich.
Eine vollständige Besteuerung der Renten erfolgt erst bei einem Beginn der Rentenzahlung ab dem Jahr 2040. 
Als Rentenbeginn wird der Zeitpunkt bezeichnet, ab dem die Rente tatsächlich bewilligt wurde. Dieses Datum wird im Rentenbescheid ausgewiesen. 
Wird die Rente später erhöht oder herabgesetzt, weil zum Beispiel andere Einkünfte angerechnet werden, stellt dies keine neue Rente dar. Bei regelmäßigen Rentenanpassungen nach §§ 65, 254c SGB VI erfolgt ebenso keine Neuberechnung. Es gilt weiterhin der ursprünglich ermittelte Besteuerungsanteil. Dieser ändert sich regelmäßig nicht.
Die sogenannten Anpassungsbeträge werden stattdessen in voller Höhe bei der Ermittlung der Einkünfte berücksichtigt. 
Der Besteuerungsanteil richtet sich auch dann nach dem ursprünglichen Rentenbeginn, wenn die Rentenempfänger nicht identisch sind (z.B. eine Witwen- oder Waisenrente folgt einer Altersrente nach). 

Staffelung der Besteuerungsanteile nach Rentenbeginn

Jahr des

Rentenbeginns

Besteuerungs­anteil in Prozent

Jahr des

Rentenbeginns

Besteuerungs­anteil in Prozent

bis 2005

50

2017

74

ab 2006

52

2018

76

2007

54

2019

78

2008

56

2020

80

2009

58

2021

81

2010

60

2022

82

2011

62

2023

83

2012

64

2024

84

2013

66

.

.

2014

68

.

.

2015

70

.

.

2016

72

2040

100

Warum wurde die Besteuerung ab dem Jahr 2005 geändert?

Die Änderungen bei der Rentenbesteuerung durch das Alterseinkünftegesetz beruhen auf einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Das Gericht hat im Jahre 2002 entschieden, dass die unterschiedliche Besteuerung von Beamtenpensionen und Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung mit dem Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes unvereinbar ist.

Bis wann muss jährlich eine Steuererklärung abgegeben werden?

Wenn Sie eine Steuererklärung abgeben müssen, ist diese bis zum 31. Juli des Folgejahres beim Finanzamt einzureichen. Die Frist verschiebt sich, sollte der 31. Juli auf ein Wochenende oder einen Feiertag fallen (für 2020 verschiebt sich die Frist auf den 02.08.2021). Sollten Sie einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein mit der Erstellung der Steuererklärung beauftragt haben, verlängert sich die Abgabefrist (vorbehaltlich einer Vorabanforderung durch das Finanzamt) auf den 28. bzw. 29. Februar des übernächsten Jahres (für 2020 endet die Frist am 28.02.2022).

Woher weiß denn das Finanzamt, wie hoch meine Rente ist? 

Seit 2006 sind Rentenversicherer, Versorgungswerke und private Versicherer verpflichtet, die Höhe der gezahlten Leistungen an die Zentrale Stelle (Deutsche Rentenversicherung Bund) zu melden. Diese gibt die Meldung an die Finanzämter weiter.

Ich bin im Jahr 2019 in Rente gegangen. Gibt es eine Faustformel, ab welchem Rentenbetrag für das Jahr 2020 Einkommensteuer zu zahlen ist?

Wenn Sie als Alleinstehender im Jahr 2020 nicht mehr als 1.176 Euro an monatlicher Brutto-Rente aus der gesetzlichen Rentenver­sicherung erhalten und keine weiteren Einkünfte - etwa aus Vermietung und Verpachtung - bezogen haben, sind im Regelfall keine Steuern zu zahlen.

Ich gehe erst 2024 in Rente. Wie wird meine Rente dann versteuert? Was ändert sich jetzt für mich?

Der Besteuerungsanteil der Rente bestimmt sich nach dem Jahr des Rentenbeginns. Im Jahr 2024 gehen 84 % Ihrer Rente in die steuerliche Berechnung ein; 16 % werden als steuerfreier Anteil lebenslang festgeschrieben.

Seit 2005 wird der Arbeitnehmeranteil Ihrer Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung schrittweise steuerfrei gestellt. Es ist zu empfehlen, das dadurch im Laufe des Erwerbslebens gesparte Geld für eine private Altersvorsorge zu verwenden.

Wie werden Betriebsrenten ab 2005 versteuert?

Hier ist die Rechtslage etwas schwieriger. Entscheidend für die Besteuerung ist die Form der betrieblichen Altersversorgung (z.B. Direktversicherung, Pensionskasse oder Direktzusage) und ob die Beiträge überwiegend aus versteuertem oder aus unversteuertem Arbeitsentgelt geleistet wurden.

Ich beziehe bereits seit 2000 eine private Rente. Wird diese seit dem Jahr 2005 auch höher versteuert?

Nein, im Gegensatz zur gesetzlichen Rente bleibt es hier bei der Ertragsanteilbesteuerung. Das bedeutet, dass die Rente mit einem Prozentsatz der Besteuerung unterliegt, der sich nach dem Alter des Rentenbeziehers bei Beginn der Rente richtet.

Wenn Sie die private Rente seit Ihrem 65. Lebensjahr beziehen, dann beträgt ab 2005 der steuerpflichtige Anteil 18 %.

Ich habe vor dem Jahr 2005 eine kapitalbildende Lebensversicherung abgeschlossen, die 2019 fällig wird. Wird die Auszahlung versteuert?

Die Kapitalauszahlung ist steuerfrei, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, zum Beispiel, wenn die Versicherung mindestens zwölf Jahre lief und wenigstens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt wurden.

Was versteht man unter der privaten Leibrente (sog. Rürup-Rente)? Wie wird sie steuerlich behandelt?

Das ist eine Form der privaten Altersvorsorge, die steuerlich der gesetzlichen Rente gleichgestellt wird. Sie darf unter anderem nicht vererblich, nicht übertragbar, nicht beleihbar, nicht veräußerbar und nicht kapitalisierbar sein. Beiträge für die neue Basis-Rente, für die gesetzliche Rente, für berufsständische Versorgungseinrichtungen und landwirtschaftliche Alterskassen können im Rahmen von jährlich steigenden Höchstbeträgen steuerlich geltend gemacht werden. Für 2019 sind es bei Alleinstehenden 22.541 Euro und bei Verheirateten 45.082 Euro. Die private Basis-Rente kann sowohl von Arbeitnehmern als auch von Selbständigen und Beamten abgeschlossen werden. Genau wie die gesetzliche Rente wird sie bei Auszahlung mit dem Besteuerungsanteil erfasst.

Wie erfolgt die Besteuerung einer Direktversicherung in Form einer Rentenversicherung?

Für Direktversicherungen in Form einer Rentenversicherung gilt: Die Beiträge sind steuerfrei, soweit sie im Kalenderjahr 8 % der Beitragsbemessungsgrenze (West) in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht übersteigen. Die Rentenzahlungen müssen bei Inanspruchnahme dieser Steuerfreiheit in der Auszahlungsphase grundsätzlich voll versteuert werden.

Für Beiträge an eine Direktversicherung bis zu einem Betrag von 1.752 Euro im Kalenderjahr kommt eine Pauschalversteuerung mit 20 % durch den Arbeitgeber in Betracht, wenn vor dem 1. Januar 2018 mindestens ein Beitrag des Arbeitgebers zum Aufbau einer kapitalgedeckten Altersversorgung an eine Pensionkasse oder Direktversicherung nach § 40b Absatz 1 und 2 EStG in der vor dem 1. Januar 2005 geltenden Rechtslage pauschal besteuert wurde. Die pauschal besteuerten Beiträge mindern den steuerfreien Höchstbetrag. Die Besteuerung der Renten in der Auszahlungsphase richtet sich nach der steuerlichen Behandlung der Beiträge in der Einzahlungsphase.

Ich beziehe seit Anfang 2020 eine Witwenrente. Wie erfolgt die Besteuerung, wenn mein verstorbener Ehemann zuvor noch keine Rente erhalten hat? Werden die Steuern wie beim Arbeitslohn direkt einbehalten oder muss ich eine Steuererklärung abgeben?

Die Witwenrente gehört ebenfalls zum steuerpflichtigen Einkommen. Da Ihr Ehemann zuvor noch keine Rente bezogen hat, entscheidet das Jahr, in dem Sie die Witwenrente erstmalig bekommen, über deren steuerpflichtigen Anteil. Da Sie die Witwenrente erstmals im Jahr 2019 bezogen haben, beträgt der Besteuerungsanteil 80 % der Jahresbruttorente. Der steuerfreie Anteil wird in Euro festgeschrieben und gilt dann bis zum Ende dieses Rentenbezugs. Die Steuern werden nicht direkt bei Auszahlung der Rente abgezogen. Sofern Sie neben der Witwenrente noch Arbeitslohn beziehen, von dem ein Steuerabzug vorgenommen wurde, sind Sie verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben, wenn die Rente mehr als 656 Euro im Jahr beträgt.

Werden Beamten- und Werkspensionen seit 2005 vom Staat höher versteuert?

Nein, die Beamten- und Werkspensionen waren bisher schon voll steuerpflichtig, abgesehen vom Versorgungsfreibetrag. Mit den neuen Regelungen werden gesetzliche Renten und Pensionen nach und nach gleichgestellt, und deshalb wird der Versorgungsfreibetrag bis 2040 schrittweise abgeschafft. Wer erstmals in 2020 eine Pension bezogen hat, für den wird ein Versorgungsfreibetrag von maximal 1.200 Euro lebenslang festgeschrieben. Für Pensionäre hat sich ab 2005 die Werbungskostenpauschale von 920 auf 102 Euro verringert. Um Härten auszugleichen, gibt es stattdessen zunächst einen individuellen auf Dauer gleichbleibenden Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag. Im Jahr 2020 beträgt dieser 360 Euro.

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